Schluck und Jau - Ein Freilichtspiel

Aus heit’rem Spass wird bitt’rer Ernst
„Mit Spass ist nicht zu spassen“, sagt der Narr am Ende des Stücks; nachdem der Landstreicher Jau wie ein wildgewordener Stier durch die höfische Gesellschaft gerast war und nur ein schnell verabreichter Beruhigungstrunk noch Schlimmeres verhindern konnte.

Diese vom Narren vorgetragene Kernaussage ist im Stück „Schluck und Jau“ eingepackt in eine turbulente Komödie: Eine höfische Gesellschaft langweilt sich gar fürchterlich und bedient sich zweier Landstreicher, um etwas Leben ins Schloss zu bringen. Zu diesem Zweck wird der sturzbetrunkene Jau in ein Himmelsbett gelegt, und als er aufwacht, wird ihm versichert, der Fürst persönlich zu sein. Was er glaubt … Derweil Jau’s Freund, der herzensgute Schluck, versucht, seiner Rolle als Fürstin mehr als gerecht zu werden. Die höfische Gesellschaft lacht sich krumm und schief – bis aus dem lustigen Spiel bitterböser Ernst wird.

Die Komödie des schlesischen Literatur-Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann (1862 bis 1946) ist von märchenhafter Schönheit, grandiosem Witz und viel Tiefgang; dennoch wird sie selten gespielt. Unter anderem darum, weil das Original ausufernd ist und die Figuren nicht stringent gezeichnet sind. Hier habe ich bei der Adaption angesetzt. Und zudem die Dialoge – unter Beibehaltung von Hauptmanns Versmass - ins Luzerndeutsche übersetzt.

Nur zu aktualisieren brauchte ich das Stück nicht: Es gibt momentan auf der Welt genügend „Fürsten“, die mit dem Volk ihr Spiel treiben.

Die Autorin

Gisela Widmer ist eine bekannte Schweizer Theaterautorin und Kolumnistin. Sie wurde 1958 in Luzern geboren und war Hausautorin am damaligen Stadttheater Luzern, wo ihr erstes grosses Theaterstück "Clara Wendel" 1983 uraufgeführt wurde. Von 1986 bis 1990 war Gisela Widmer Südasienkorrespondentin für verschiedene Medien und dann elf Jahre lang "die Stimme aus London" für Radio SRF. Parallel dazu schrieb sie vielbeachtete Kolumnen, u.a. für "Das Magazin", die in mehreren Sammelbänden erschienen sind. Zwischen 1998 und 2010 ergötzte und empörte Gisela Widmer die Radiohörer mit der Satiresendung "Zytlupe" und war jahrelang mit verschiedenen "Zytlupe live"-Programmen auf Bühnentournee. 2004 veröffentlichte sie den Erzählband "Liebesgrund".

Es folgten rund zehn Theaterstücke, u.a. drei Übersetzungen von englischen Klassikern für die Tribschener Freilichtspiele (Regie: Livio Andreina) sowie für das Luzerner Theater die Groteske "Atoll" und die kontrovers diskutierte Satire auf die Islamdebatte "Biedermanns.umgezogen". Für die Theaterproduktion Annette Windlin schrieb Gisela Widmer "Notglück" und die Pendlerballade "Stosszeit". Für die grossangelegten Andermatter Freilichtspiele 2013 mit ihren 20'000 Zuschauerinnen und Zuschauern verfasste sie "Tyyfelsbrigg" (Regie: Livio Andreina). Im Herbst des gleichen Jahres folgte "Big Bang" in der Zementfabrik Brunnen, gefolgt von "Seegang" für die Theatergruppe "Chärnehuus" Einsiedeln.

Gisela Widmer ist auch Dozentin an der Schweizer Journalistenschule MAZ für "Kreativ schreiben" und "Satire". Seit 2001 lebt sie wieder in Luzern.
www.giselawidmer.ch